Handwerkskammer zieht Ausbildungsbilanz zum 31.12.2006

Matthias MaasDie enorme Ausbildungsbereitschaft der unterfränkischen Handwerksbetriebe bei stagnierenden Beschäftigungszahlen verdient höchste Anerkennung“, so Handwerkskammerpräsident Hugo Neugebauer zur Ausbildungsbilanz zum 31.12.2006.
Damit liegt die Ausbildungsquote im Handwerk weiterhin bei hohen 11 %. Mit insgesamt 3 390 neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen weist die Statistik der Handwerkskammer für Unterfranken für 2006 einen erfreulichen Zuwachs von 6,5 % gegenüber dem Vorjahr aus.
Mit einem Zuwachs von 6,5 % an der Spitze in Bayern
Mit diesem Ergebnis liegt Unterfranken bayernweit auf Rang 1, gefolgt vom Handwerkskammerbezirk Niederbayern-Oberpfalz mit einem Plus von 4,9 %. Mit der Besetzung von 231 Plätzen zur Einstiegsqualifizierung wurde weiteren Jugendlichen der Zugang zur betrieblichen Ausbildung ermöglicht.
Dieses Ergebnis belegt die ungebrochene Bereitschaft der Betriebe, qualifizierten Nachwuchs selbst auszubilden. Mit vielfältigen Bemühungen im Rahmen des Ausbildungspaktes der Wirtschaft, nunmehr im dritten Jahr, konnte die Selbstverpflichtung der Wirtschaft, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen ein Angebot zu machen, in vollem Umfang erfüllt werden. So haben die haupt- und ehrenamtlichen Akquisiteure der Handwerkskammer im unterfränkischen Handwerk insgesamt 649 Ausbildungsplätze neu eingeworben. Mit 4 608 Ausbildungsstätten bilden ca. 40 % der Vollhandwerksbetriebe in Unterfranken aus. Viele Betriebe haben ihr Engagement zur Ausbildung auch in diesem Jahr nochmals verstärkt.
Region Würzburg mit größtem Zuwachs
Sehr unterschiedlich sind die Ergebnisse der Ausbildungsbilanz 2006 in den drei Regionen Unterfrankens: Während die Region um Schweinfurt mit einem Zuwachs von 19 Verträgen bzw. einem Plus von 1,5 % gegenüber dem Vorjahr abschließt, fällt das Ergebnis am Untermain mit plus 80 Verträgen (+ 9,0 %) deutlich positiv aus. Den größten Zuwachs verzeichnet die Region Würzburg mit einem Plus von 109 Verträgen, das entspricht + 10,2 % gegenüber dem Vorjahr.
Der Zuwachs an neuen Ausbildungsplätzen wird hauptsächlich getragen von den Betrieben des Vollhandwerks, allen voran die Berufsfelder Metall, Elektro- und Fahrzeugtechnik (+ 9,5 %) und der Bereich der Bau- und Ausbauhandwerke mit einem Zuwachs von 9,8 %.
Neben regionalen sind auch erhebliche strukturelle Veränderungen festzustellen. So zeigt sich im dritten Ausbildungsjahr nach der Novellierung der Handwerksordnung zum 1.1.2004 und der damit verbundenen Lockerung des Meisterprinzips in 53 Berufen ein gravierender Rückgang der Ausbildungszahlen. Diese Berufe der so genannten Anlage B1 der Handwerksordnung stellen nur noch 4,2 % der gesamten Ausbildungsplätze, obwohl ihr Anteil an allen Betrieben 15,6 % beträgt. Damit ist die Entwicklung bei den B1-Berufen als dramatisch zu bezeichnen. So steht zu befürchten, dass sich in wenigen Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Qualität der erbrachten Dienstleistungen für den Endverbraucher zeigen. Und: Wer selbst nicht fundiert ausgebildet ist, kann auch nicht qualifiziert ausbilden.
Nicht alle Lehrstellen besetzt
Trotz dieser Bilanz konnten auch im Jahr 2006 wiederum nicht alle vom Handwerk angebotenen Ausbildungs- und EQJ-Plätze wegen des Mangels an geeigneten und interessierten Bewerbern besetzt werden. Zusätzlich gehen jährlich ca. 8 %, also ca. 270 Ausbildungsstellen allein in Unterfranken, dadurch verloren, dass die Bewerber ihre Lehrstelle nicht antreten. Dies ist insofern unverständlich, als eine fundierte handwerkliche Ausbildung mit einer nachgeschalteten Qualifizierung zum Handwerksmeister bei entsprechender Leistungsbereitschaft nicht nur vielfältige Möglichkeiten der Beschäftigung und Selbständigmachung bietet, sondern heute auch die Eintrittskarte zum Fachhochschulstudium darstellt.
Ausbildungspakt eröffnet Chancen
Im Rahmen des Ausbildungspaktes wurden von den unterfränkischen Betrieben zusätzlich 231 Jugendliche zur Einstiegsqualifizierung, dem so genannten EQJ, eingestellt. Dabei wird den Jugendlichen in zertifizierten Qualifizierungsbausteinen das Rüstzeug in etwa 30 verschiedenen Handwerksberufen vermittelt. Ziel dieser sechs- bis zwölfmonatigen Praktika ist die Einmündung in ein reguläres Ausbildungsverhältnis. Das EQJ dient den Jugendlichen, die auf Anhieb keine Lehrstelle finden, als Brücke in ein geregeltes Ausbildungsverhältnis. Dieses Ziel erreichten im letzten Bildungsjahr fast 70 % der Praktikanten.
Heute die Fachkräfte für morgen ausbilden
Das unterfränkische Handwerk ist sich seiner Selbstverpflichtung mehr als bewusst und hat alles Erdenkliche unternommen, um seinen Fachkräftenachwuchs für die Zukunft zu sichern. Für 2007 appelliert die Handwerkskammer an alle ihre Betriebe, in diesen Bemühungen nicht nachzulassen. Vielmehr gilt es jetzt, den demographisch bedingten Rückgang der Bewerberzahlen und dem damit für die nahe Zukunft prognostizierten Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Hilfestellung für alle ausbildungswilligen Betriebe bietet die Handwerkskammer durch ihre Ausbildungsberater und Lehrstellenakquisiteure.
Allen Schulabgängern des Jahrganges 2007 empfiehlt die Kammer, sich mit den vielfältigen Ausbildungsangeboten des Handwerks auseinander zu setzen. In einer Zeit, in der ständig über den Mangel an Ausbildungsplätzen diskutiert wird, ist es unverständlich und unverantwortlich, wenn handwerkliche Ausbildungsplatzangebote und die damit verbundenen Karrierewege bis hin zum Studium bei der Berufswahl unberücksichtigt bleiben.
Downloads
- Foto: Zweiradmechanikerin bei ÜLU in Fahrzeugakademie Schweinfurt Zweiradmechanikerin bei der überbetrieblichen Ausbildung (ÜLU) in der Fahrzeugakademie Schweinfurt (Foto: Matthias Maas)
- Überbetriebliche Ausbildung im BTZ Aschaffenburg - Foto 2 Überbetriebliche Ausbildung in der neuen Kfz-Werkstätte des BTZ Aschaffenburg.
- Überbetriebliche Ausbildung im BTZ Aschaffenburg - Foto 1 Überbetriebliche Ausbildung in der neuen Kfz-Werkstätte des BTZ Aschaffenburg.
online seit 25. Jan 2007, aktualisiert am 13. Apr 2012
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