Alles gut? Nicht alles!

Hugo Neugebauer, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken und Hauptgeschäftsführer Rolf LauerLupe
Hugo Neugebauer, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken und Hauptgeschäftsführer Rolf Lauer

Die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage ist im unterfränkischen Handwerk so gut wie seit über 15 Jahren nicht mehr. In den unterfränkischen Landkreisen und Städten herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Dennoch zeigen Hugo Neugebauer, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, und Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer, klar im Interview auf, welche derzeitigen Entwicklungen dem Handwerk schaden könnten.

Interview: Daniel Röper

Herr Präsident Neugebauer, der Konjunkturmotor des Handwerks brummt. Deutschlandweit, aber vor allem auch in Unterfranken. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Hugo Neugebauer: Fast 91 Prozent der unterfränkischen Handwerksbetriebe bewerteten zum dritten Quartal 2011 ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Das ist ein herausragendes Ergebnis. Noch mehr freut es mich aber, dass noch fast 90 % der Betriebe dies für das laufende, das vierte Quartal, bestätigen. Derzeit zeigt sich ganz klar die Stabilität des Handwerks.

So kann es also weitergehen?

Hugo Neugebauer: Das würden wir uns natürlich wünschen. Aber es wird sicherlich eine Konsolidierungsphase eintreten. Ein so hohes Niveau wie derzeit kann nicht auf Dauer gehalten werden. Aber noch einmal: Gerade in problematischen Zeiten wie der schweren Eurokrise beweist das Handwerk, auch das unterfränkische, wie wichtig es für das gesamte Wirtschafssystem ist.

Die Agentur für Arbeit meldet in Unterfranken nahezu Vollbeschäftigung, das heißt, die Arbeitslosenquote liegt unter 3 %. Unterfranken liegt bei 3,1 %. Trägt zu dieser Zahl auch das Handwerk bei?

Rolf Lauer: Im erheblichen Maße. In diesem Jahr haben viele Betriebe Personal aufgestockt. Aber noch wichtiger war, dass sie in der jüngst zurückliegenden Wirtschafts- und Finanzkrise an ihrem Personal festgehalten und dadurch einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet haben, wie gut Deutschland diese Krise bewältigen konnte. Dennoch: Wir gehen davon aus, dass schon heute in Unterfranken rund 1.000 Führungs- und etwa 9.000 Fachkräfte im Handwerk fehlen. Das ist eine Entwicklung, die uns Sorge bereitet.

Was können die Betriebe, was kann die Kammer tun, die von Ihnen beschriebene Entwicklung zu verlangsamen oder gar zu stoppen?

Rolf Lauer: Der Fachkräftemangel geht einher mit dem demographischen Wandel, ist Folge dessen. Das ist Fakt, das können wir nicht übersehen. Unsere Betriebe sind auf einem guten Weg. Für sie liegt die Fachkräftesicherung in der Ausbildung. Die Betriebe bilden sich ihre künftigen Fach- und Führungskräfte selber aus. Nur müssen sie auch geeignete Bewerber finden, was aufgrund der rückgängigen Schülerzahlen immer schwieriger wird. Die Handwerkskammer selbst engagiert sich mit Nachdruck in der Nachwuchswerbung. Wir stehen in einem sehr engen Kontakt mit Lehrern und Schülern und beraten auch die Eltern von potenziellen Auszubildenden.

Apropos Ausbildung. Die Kultusministerkonferenz schlägt vor, duale Ausbildungsabschlüsse niedriger als das Abitur einzustufen. Wie steht die Handwerkskammer zu dieser Aussage?

Hugo Neugebauer: Ich stimme unseren BHT-Präsidenten Heinrich Traublinger, MdL a.D., uneingeschränkt zu, der diesen Vorschlag als „Demontage der dualen Ausbildung“ bezeichnet. Und in der Tat, diese drastischen Worte sind absolut berichtigt. Der Vorschlag der Kultusministerkonferenz ist wieder einmal der europäischen Gleichmacherei geschuldet. Europäische Abschlüsse sollen vergleichbar sein. Aber wie kann ich etwas vergleichen, dass wie das duale Ausbildungssystem in dieser Ausprägung und mit dieser Konsequenz nur in Deutschland existiert? Sollte diese Einstufung Wirklichkeit werden, droht der dualen Ausbildung ein hoher Imageschaden. Wie sollen wir dann noch junge Leute für eine duale Ausbildung im Handwerk begeistern können? Ich hoffe, nein ich erwarte und fordere, dass sich die Kultusministerkonferenz in den kommenden Sitzungen besinnt und duale Ausbildungsabschlüsse dem Abitur gleichstellt.

Die aktuellen Ausbildungszahlen im Handwerk sind aber noch gut.

Rolf Lauer: Die derzeitigen Zahl an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen nehmen wir mit großer Freude zur Kenntnis. Mit 3.369 neuen Ausbildungsverträgen Stand 31. Oktober liegen wir um 6,2 % höher als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bayernweit stehen wir mit diesem Plus sogar an zweiter Stelle, der durchschnittliche Anstieg in Bayern liegt bei 3,23 %. Aber wir werden künftig, wie erwähnt, mit dem demographischen Wandel umgehen müssen. Und da brauchen wir sicherlich keine Torpedierung durch die Kultusministerkonferenz.

Herr Neugebauer, Ihre erste Amtszeit als Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken geht zu Ende. Sie kandidieren für eine zweite Periode. Was haben Sie alles erreicht und was sind die kommenden Ziele?

Hugo Neugebauer: Erreicht haben wir eine ganze Menge, aber das soll hier keine Aufzählung werden. Was wichtig ist: Wir als Handwerkskammer haben unsere Betriebe in den vergangenen Jahren bestens unterstützt und vertreten. Unser Wort hat Gewicht in der Öffentlichkeit und der Politik und wir haben verstärkt den Jugendlichen klar gemacht, wie modern und vielseitig, wie spannend und zukunftsfähig Handwerk ist. Diesen Weg möchte ich auch in einer zweiten Amtszeit fortsetzen. Mit der großen Unterstützung des Vorstands, des Parlaments des unterfränkischen Handwerks, der Vollversammlung, unserer über 18.000 Betriebe und rund 88.000 Beschäftigten und aller hauptamtlichen Mitarbeiter der Kammer. Ich sehe uns ganz klar auf einem guten Weg.

online seit 08. Dez 2011, aktualisiert am 08. Dez 2011

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