Duale Ausbildung etabliert

v.l. Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken und Bundeswirtschaftsminister a.D. Michael Glos im Gespräch. (Foto: Heß)Lupe
v.l. Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken und Bundeswirtschaftsminister a.D. Michael Glos im Gespräch. (Foto: Heß)

1976 zog Bundeswirtschaftsminister a.D. Michael Glos erstmals als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag ein. 2013 wird sich der gelernte Müllermeister nicht mehr zur Wahl stellen.  Michael Glos und Rolf Lauer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken, im Gespräch.

Interview: Daniel Röper

Herr Glos, Sie sind seit 1976 im Deutschen Bundestag engagiert, das sind 36 Jahre. 2013 stellen Sie sich nicht mehr zur Wahl. War Ihr Weg vorgezeichnet?

Michael Glos: Eigentlich war mein Weg in das Handwerk vorgegeben. Wir sind eine Müller-Familie mit langer Tradition, mein Vater starb, als ich zehn Jahre alt war. Als ältestes Kind und auch noch als einziger Sohn war es eigentlich klar, dass ich den Betrieb weiterführe. So habe ich auch mit 22 Jahren meinen Meister im Müllerhandwerk gemacht. Aber: Unsere Familie war auch schon immer kommunalapolitisch engagiert. Mit 26 Jahren bin ich in den Stadtrat und in den Kreistag gewählt worden. Im Alter von 31 Jahren bewarb ich mich dann für den Bundestag. Heute gehöre ich zu den drei dienstältesten Abgeordneten.

Ihr politisch höchstes Amt war das des Wirtschaftsministers. In einer schwierigen Zeit von Ende 2005 bis Anfang 2009. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Michael Glos: Zunächst einmal bin ich doch recht überraschend in dieses Amt gekommen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits meinen 60. Geburtstag überschritten, mit solch einer Entwicklung nicht gerechnet. Meine persönlichen Weichen waren anders gestellt. Aber als Edmund Stoiber nach der Bundestagswahl dann doch nicht als „Super-Wirtschaftsminister“ nach Berlin gegangen ist, trug er mir das Amt an. Als erstemMichael Glos: "Jedem Abschied wohnt auch ein Gefühl der Wehmut inne. Aber: ich bin sehr glücklich darüber, dass ich über meinen Abschied selbst entschieden habe." (Foto: Heß)Lupe Wirtschaftsminister, den die CSU gestellt hat. Rückblickend war die Zeit der Großen Koalition eine sehr gute Zeit für Deutschland. Wir hatten sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat eine Zweidrittel-Mehrheit. Dadurch konnten rasche Entscheidungen gefällt werden. Entscheidungen, die im Regierungsteam getroffen und schnell umgesetzt wurden und sehr nachhaltig wirkten. Denken Sie nur an die Konjunkturprogramme und Rettungspakete in der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Herr Lauer, als Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer: Wie beurteilen Sie die Amtszeit des Wirtschaftsministers Michael Glos?

Rolf Lauer: Ich kann Michael Glos nur zustimmen. Rückblickend waren die Große Koalition, beziehungsweise die politischen Entscheidungen dieser Koalition gut für das Land, und auch gut für das Handwerk. Ohne die beiden Konjunkturpakete wäre Deutschland sicherlich nicht so gut durch die Krise gesteuert.

Herr Glos, als gelernter Müllermeister haben Sie ja einen starken Bezug zum Handwerk. Wie beurteilen Sie die Stellung des Handwerks im Gesamtwirtschaftssystem. Hat sich hier etwas geändert in der Zeit Ihres politischen Wirkens?

Michael Glos: Das Handwerk passt sich immer an, das zeichnet es auch aus. Nur mit der Erinnerung an die Zünfte könnte das Handwerk nicht überleben. Die Ausbildungsstruktur ist immer besser geworden im Handwerk und wir haben auch endlich erreicht, dass Handwerksmeister uneingeschränkten Zugang zu den Hochschulen haben. Das Handwerk insgesamt ist ein enorm wichtiger Teil des deutschen Wirtschaftssystems.

Die duale Ausbildung in Deutschland ist weltweit anerkannt. Deutsche Fachkräfte sind gefragt. Warum ist die Politik, auch die deutsche, so engagiert darin, die jungen Menschen zum Studium zu bewegen? Brauchen wir wirklich mehr Abiturienten?

Michael Glos: Es gibt nicht zu wenig Studierende oder Abiturienten, es gibt jedoch noch immer zu wenig gut ausgebildete Menschen. Hier differenziere ich auch nicht zwischen akademischer oder beruflicher Ausbildung. Unser duales Ausbildungssystem hat sich etabliert. Leider ist es aber eine Tatsache, dass Eltern oftmals irreale Erwartungen an die Fähigkeiten der eigenen Kinder haben und glauben, nur der Besuch des Gymnasiums sei der Königsweg.

Rolf Lauer: Es ist schon ein Problem, dass die Abiturienten so sehr im Fokus stehen. Viele setzen Bildung gleich mit Abitur oder Studium. Dadurch werden Schülerinnen und Schüler oftmals mit viel Aufwand durch diese Schulart geführt. Wenn sie dann ein Studium anfangen, sind sie überfordert. An der Universität Würzburg beispielsweise verlassen gut 25 % aller Studierenden die Hochschule ohne Abschluss. Ich wünsche mir wirklich, dass diese Klientel, aber auch die Gymnasiasten erkennen würden, welche Möglichkeiten im Handwerk existieren.

Im Herbst kommenden Jahres wird voraussichtlich ein neuer Bundestag gewählt. Was machen Sie dann?

Michael Glos: Ich verzichte auf eine erneute Bewerbung. Jedem Abschied wohnt auch ein Gefühl der Wehmut inne. Aber: Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich über meinen Abschied selbst entschieden habe. Sehen Sie: Bei meiner ersten Nominierung zum Bundestagsabgeordneten habe ich in einer Stichwahl mit nur einer Stimme gewonnen. Bei der letzten Nominierung waren 100 % meiner Parteifreunde hinter meiner Nominierung gestanden.

Herr Lauer, was haben Sie immer am Politiker Michael Glos zu schätzen gewusst?

Rolf Lauer: Ich bewundere, dass Michael Glos immer zwei Dinge bewahrt hat. Das Bodenständige eines Franken und das Pragmatische eines Handwerkers. Vor allem bei den Konjunkturpaketen, bei den Maßnahmen in der Krise, hat sich Michael Glos stark für Mittelstandsförderungen ausgesprochen. Und der Mittelstand ist nun einmal das stabilisierende Element in Deutschland. Hier hat Michael Glos große Verdienste erworben.

Seite aktualisiert am 10. April 2012online seit 10. April 2012

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