Fachkräftebedarf im unterfränkischen Handwerk

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Matthias Maas

Der seit Mitte 2006 verstärkte konjunkturelle Aufschwung im Handwerk hat auch die handwerklichen Arbeitsmärkte belebt, so das Ergebnis einer Repräsentativ-Umfrage der Handwerkskammer zum Fachkräftebedarf im unterfränkischen Handwerk. Das Fazit der Umfrage ist, so Präsident Hugo Neugebauer beim Jahrespressegespräch der Handwerkskammer: "Das unterfränkische Handwerk hat großen Bedarf an Fachkräften, kann ihn aber nicht decken, offene Stellen bleiben in Unterfranken unbesetzt."

11,3 Prozent der befragten Handwerksbetriebe meldeten im vierten Quartal 2006 unbesetzte Arbeitsplätze für Fachkräfte. Im Durchschnitt waren es 1,6 offene Stellen je Handwerksbetrieb, bezogen auf Vollzeitarbeitsplätze im Schnitt 1,4 unbesetzte Stellen je Unternehmen. "Unsere Umfrage kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die Handwerksunternehmen vielfach trotz hoher Arbeitslosigkeit keine geeigneten Fachkräfte finden,“ so Neugebauer. Momentan im saisonal bedingt ruhigeren Winterquartal habe sich die Lage speziell im Hochbau entspannt. Spätestens wenn der „Schock“ der Mehrwertsteuererhöhung bei den privaten Investoren überwunden sei, werde sich das Problem Fachkräftemangel jedoch wieder verstärken. 

Die Ende letzter Woche beim Pressegespräch in Würzburg vorgestellte Studie beschreibt auch die Rahmenbedingungen: In Folge der rezessiven Entwicklung der Handwerkskonjunktur seit dem Jahr 2000 hatten die unterfränkischen Handwerksbetriebe mehr als 17.000 Beschäftigte auf nun 88.000 abgebaut und ihren Personalbestand vielfach auf ein Minimum reduzieren müssen. Seit Mitte 2006 hat die Handwerkskonjunktur wieder kräftig an Fahrt aufgenommen. Wenngleich die meisten Betriebe die zusätzliche Nachfrage noch mit dem bestehenden Personal bewältigen können, so werden vor allem in den Betrieben, die besonders stark vom konjunkturellen Aufschwung profitieren, schon heute zusätzliche Fachkräfte gesucht. Dabei stehen die Betriebe aber häufig vor dem Problem, die offenen Stellen trotz der hohen Arbeitslosigkeit nicht mit geeigneten Fachkräften besetzen zu können.

Bereits jetzt ist absehbar, dass sich die aktuelle Problemlage aufgrund der demographischen Entwicklung in der Zukunft noch deutlich verstärken wird. Sinkende Schülerzahlen und ein insgesamt rückläufiges Erwerbspersonenpotential werden den Fachkräftemangel schon in der nahen Zukunft verschärfen. Damit wird es auch für die Betriebe, die nur aufgrund der natürlichen Fluktuation Fachkräfte ersetzen müssen, schwerer werden, geeignetes Personal zu finden.

Vor diesem Hintergrund hat die Handwerkskammer für Unterfranken gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks Ende des vergangenen Jahres eine Sonderumfrage zum „Fachkräftebedarf im Handwerk“ durchgeführt. Daran haben sich 274 unterfränkische Handwerksbetriebe mit insgesamt mehr als 4.000 Beschäftigten beteiligt.

11,3 % der Betriebe haben unbesetzte Arbeitsplätze für Fachkräfte

Der seit Mitte 2006 verstärkte konjunkturelle Aufschwung im Handwerk hat auch die handwerklichen Arbeitsmärkte belebt. Immerhin 11,3 Prozent der teilnehmenden Handwerksbetriebe berichten im vierten Quartal über unbesetzte Arbeitsplätze für Fachkräfte. Dabei verfügen diese Betriebe im Durchschnitt über 1,6 unbesetzte Arbeitsplätze für Fachkräfte. Nicht überraschend ist dabei das Ergebnis, dass der Anteil der Betriebe mit offenen Stellen mit zunehmender Beschäftigtenzahl ansteigt. So sind bei Betrieben zwischen 20 und 49 Mitarbeitern durchschnittlich 2,2 Arbeitsplätze unbesetzt.

Am stärksten ist der Personalbedarf in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, die seit geraumer Zeit von der guten Ausfuhrentwicklung und der gestiegenen Investitionsnachfrage profitieren: 16,3 Prozent der Betriebe melden offene Stellen. Aber auch in den Bau- und Ausbauhandwerken hat die gestiegene Nachfrage dazu beigetragen, dass 15,6 (Bau) bzw. 9,7 Prozent (Ausbau) der Betriebe noch über freie Stellen verfügten. Neben dem aktuellen Bedarf sollte auch der im Jahresverlauf insgesamt entstehende Fachkräftebedarf der Betriebe ermittelt werden, zumal schon aufgrund der natürlichen Fluktuation und der saisonalen Komponente häufig Stellen nach- oder neu besetzt werden müssen. Auf die entsprechende Frage geben immerhin 37,6 Prozent der teilnehmenden Betriebe an, dass sie in den letzten 12 Monaten offene Stellen zu besetzen hatten.

Probleme bei der Besetzung offener Stellen

Viele Handwerksbetriebe haben Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Facharbeitsplätze. Jeder dritte teilnehmende Betrieb (33,6 Prozent) gibt an, dass er Probleme hatte oder aktuell hat, für die unbesetzten Arbeitsplätze geeignete Fachkräfte zu finden. Besonders ausgeprägt sind die Besetzungsprobleme dort, wo die gute Konjunktur und bessere Perspektiven auch Schwung in die Beschäftigtenentwicklung gebracht haben. Davon sind 40 Prozent der Bauhandwerker und 35 Prozent der Nahrungsmittel-Handwerker betroffen.

Als Hauptprobleme bei der qualifizierten Besetzung offener Stellen rücken die Betriebe mit weitem Abstand die unzureichende Qualifikation der Bewerber und die mangelnde Eignung der von den Arbeitsagenturen vermittelten Personen in den Vordergrund. So geben von den Betrieben, die Probleme bei der Stellenbesetzung hatten, 77,2 Prozent die unzureichende Qualifikation der Bewerber als Haupthemmnis an, 44,6 Prozent nennen als Grund, dass die von den Arbeitsagenturen vermittelten Personen nicht entsprechend qualifiziert waren. Als weiterer wesentlicher Grund steht der Stellenbesetzung auch entgegen, dass die von der Arbeitsagentur Vermittelten oft nicht arbeitsbereit oder einsatzfähig sind; dies geben 47,8 Prozent der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten an.

Neben diesen Haupthemmnissen ist allerdings erschreckend, dass 22,8 Prozent der Betriebe mit Besetzungsproblemen ihre offenen Stellen nicht besetzen konnten, weil es trotz der hohen Arbeitslosigkeit keine Bewerber gab.

Maßnahmen gegen drohenden Fachkräftemangel

Immerhin 20 Prozent der befragten Betriebe planen, in den kommenden zwölf Monaten Fachkräfte einzustellen, sofern die momentan gute Auftragslage anhält (16,1 Prozent) oder weil die Geschäftstätigkeit ausgeweitet werden soll (4,0 Prozent).

Um ihren Fachkräftebedarf decken zu können, setzen die unterfränkischen Betriebe auf Eigeninitiative und Qualifizierung: 42 Prozent der teilnehmenden Betriebe wollen ihre Ausbildungsaktivitäten in der Zukunft verstärken und 43,1 Prozent wollen die Weiterbildung der Mitarbeiter verstärken. Noch nicht einmal jeder zehnte Handwerksbetrieb (9,5 Prozent) verlässt sich bei der Besetzung offener Stellen auf die Hilfe der Arbeitsagenturen.

Nur wenige Betriebe sehen eine Lösung in der verstärkten Einstellung älterer Arbeitnehmer (5,1 Prozent). Das Handwerk setzt bei der Suche nach Fachkräften auf heimisches Personal: Eine gezielte Anwerbung von ausländischen Fachkräften halten lediglich 1,1 Prozent der teilnehmenden Handwerksbetriebe für sinnvoll. 87,2 Prozent lehnen dies vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit ab.

(Foto: Matthias Maas)

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online seit 19. Mrz 2007, aktualisiert am 23. Dez 2011

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