Schwere Zeiten

Die Betriebe der Feinwerktechnik am Bayerischen Untermain sind von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders stark betroffen (Foto: AMH)Lupe
Die Betriebe der Feinwerktechnik am Bayerischen Untermain sind von der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders stark betroffen (Foto: AMH)

19. September 2009

Spezielle Bereiche des unterfränkischen Handwerks kämpfen mit der Krise

Auch wenn sich die schlimmsten Prognosen für das Gesamthandwerk nicht in der vorhergesagten Schärfe verwirklicht haben, so hat die Wirtschaftskrise das unterfränkische Handwerk dennoch nicht verschont. Vor allem feinwerktechnische Betriebe und Automobilzulieferer sind die großen Sorgenkinder.


Existenzbedrohend

Die Unternehmensberater der Handwerkskammer für Unterfranken Rainer Plößl und Björn Salg erkennen, dass einige der Betriebe enorme Umsatzeinbrüche hinnehmen mussten: „Für manche Unternehmen, die in der Vergangenheit keine Rücklagen bilden konnten, ist dies existenzbedrohend." Stellvertretend für die handwerklichen Zulieferer für die Automobilindustrie erklärt Elmar Büttner, Geschäftsführer von Auto-Büttner in Thüngen: „Die Monate Dezember 2008 sowie Januar und Februar 2009 waren mit Umsatzeinbrüchen von bis zu 80 Prozent mit Abstand die schwierigsten Monate."


Lage Feinwerktechnische Betriebe

Heinrich Kittner, Obermeister der Innung Metallbau- und Feinwerktechnik Bayerischer Untermain, möchte vor allem auf die schwierige Situation bei feinwerktechnischen Betrieben aufmerksam machen: „Teilen des Metallhandwerks geht es gut, aber speziell die Betriebe aus der Feinwerktechnik sind akut in ihrer Existenz bedroht." Am Bayerischen Untermain sind in der Innung 58 Feinwerktechnik-Betriebe organisiert. „Die Stimmung ist schlecht. Viele Betrieben haben ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, manche mussten aber auch schon Mitarbeiter freistellen."


Ungenügende Kredite

Heinrich Kittner fordert mehr Unterstützung von den Banken für die betroffenen Betriebe, damit diese die wirtschaftliche Notzeit überstehen können: „Wir sprechen nicht mehr von einer Kreditklemme, wir registrieren augenblicklich einen Kreditstop."


Neuorientierung als Chance?

Kann ein breiteres Leistungsspektrum der Betriebe zu einem Erfolgsmodell der Zukunft werden? Auto-Büttner hat sich auf Rohrleitungen für die Automobilindustrie spezialisiert. Rund 90 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens kam bislang aus diesem Bereich. „Jetzt werden wir vermehrt auch andere Branchen, wie die Lebensmittel- oder Umwelttechnik, angehen." Heinrich Kittner gibt zu bedenken: „Unsere feinwerktechnischen Betriebe können nicht von heute auf morgen neue Arbeitsfelder angehen. Eine solche tiefgreifende Umorientierung braucht Zeit."



online seit 21. Sep 2009, aktualisiert am 21. Sep 2009

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