Die wichtigsten Änderungen der Handwerksordnung zum 01.01.2004

Durch die Novellierung der Handwerksordnung zum 01.01.2004 ergeben sich im Wesentlichen folgende Änderungen:

Zulassungspflichtige und zulassungsfreie Handwerke

41 Handwerksberufe sind sog. zulassungspflichtige Handwerke, für deren selbständige Ausübung in der Regel der Meisterbrief Voraussetzung ist.
 Handwerksberufe der Anlage A

In 53 zulassungsfreien Handwerksberufen ist der Meisterbrief nicht mehr Voraussetzung für die selbständige Ausübung, bleibt aber als freiwilliges Qualifikationssiegel bestehen 
 Handwerksberufe der Anlage B1

Das Verzeichnis der handwerksähnlichen Gewerke enthält 57 Berufe.
 Handwerksberufe der Anlage B2

Inhaber-/ Betriebsleiterprinzip

Ein Handwerksbetrieb kann auch von einem Inhaber ohne Meisterprüfung geführt werden, wenn dieser einen Betriebsleiter beschäftigt, der die Voraussetzungen für die Eintragung in die Handwerksrolle erfüllt. Bisher galt diese Regelung lediglich für GmbHs im Handwerk. Nunmehr gilt das Betriebsleiterprinzip auch für Personenunternehmen.

Altgesellenregelung

Zulassungspflichtige Handwerksberufe der Anlage A können unter folgenden Voraussetzungen auch von Gesellen selbständig ausgeübt werden (§ 7b der HWO):
"Eine Ausübungsberechtigung für zulassungspflichtige Handwerke [...] erhält, wer eine Gesellenprüfung in dem zu betreibenden zulassungspflichtigen Handwerk oder in einem mit diesem verwandten zulassungspflichtigen Handwerk oder eine Abschlussprüfung in einem dem zu betreibenden Gewerbe entsprechenden anerkannten Ausbildungsberuf bestanden hat, und in dem zu betreibenden zulassungspflichtigen Handwerk oder in einem mit diesem verwandten zulassungspflichtigen Handwerk oder in einem dem zu betreibenden zulassungspflichtigen Handwerk entsprechenden Beruf eine Tätigkeit von insgesamt sechs Jahren ausgeübt hat, davon insgesamt vier Jahre in leitender Stellung.

Eine leitende Stellung ist dann anzunehmen, wenn dem Gesellen eigenverantwortliche Entscheidungsbefugnisse in einem Betrieb oder in einem wesentlichen Betriebsteil übertragen worden sind. Der Nachweis hierüber kann durch Arbeitszeugnisse, Stellenbeschreibungen oder in anderer Weise erbracht werden. [...] Die Ausübungsberechtigung wird auf Antrag des Gewerbetreibenden von der höheren Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Handwerkskammer [...] erteilt."
Die Altgesellenregelung gilt nicht für Schornsteinfeger, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker, Orthopädieschuhmacher und Zahntechniker.

Nicht-wesentliche Tätigkeiten

Im Bereich der zulassungspflichtigen Handwerksberufe ist es erlaubt, sog. nicht-wesentliche Tätigkeiten ohne Qualifikationsnachweis unter folgenden Voraussetzungen auszuüben (§1, Abs. 2 der HWO):

"[...] Keine wesentlichen Tätigkeiten sind insbesondere solche, die in einem Zeitraum von bis zu drei Monaten erlernt werden können, zwar eine längere Anlernzeit verlangen, aber für das Gesamtbild des betreffenden zulassungspflichtigen Handwerks nebensächlich sind und deswegen nicht die Fertigkeiten und Kenntnisse erfordern, auf die die Ausbildung in diesem Handwerk hauptsächlich ausgerichtet ist, oder nicht aus einem zulassungspflichtigen Handwerk entstanden sind."

Die Anhäufung von einfachen Tätigkeiten ist dann nicht erlaubt, wenn damit der Kernbereich eines Vollhandwerks betroffen ist.