Flüchtling, Ausbildung, Willkommenslotse
Heß
Seit dem 1. September absolviert Äthiopierin Helen eine Ausbildung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk im Betrieb von Metzgermeister Thomas Hemmerich in Geldersheim. Für beide Seiten ein Glücksfall, denn die neue Auszubildende ist hoch motiviert und hat Spaß bei der Arbeit.

Erfolgreiche Vermittlung: Ein Glücksfall für beide Seiten

Wenn Helen im Verkaufsraum steht ist ihr sofort anzumerken, dass sie hier richtig ist. Kurz rückt sie die Arbeitskleidung zurecht und strahlt dann über das ganze Gesicht. Verflogen ist die anfängliche Schüchternheit. Hier steht jemand, der Freude am Beruf hat. Seit dem 1. September absolviert die 27-jährige Äthiopierin eine Ausbildung zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk in der Metzgerei Hemmerich in Geldersheim. Sie ist stolz, die Ausbildung machen zu dürfen, was nicht zu übersehen ist, wenn sie auf das Sortiment zeigt und deutsche Begriffe wie „Hausmachersalami“ oder fränkische Eigennamen wie „Weißgelegter“ erklärt. „Helen ist motiviert. Ich merke, dass sie lernen will. Das ist ein absoluter Glücksfall“, sagt ihr Chef, Metzgermeister Thomas Hemmerich. Für seinen Betrieb in Geldersheim und die Filialen im Umkreis sei er händeringend auf der Suche nach Auszubildenden, berichtet er. „Geeigneten Nachwuchs zu finden ist in den letzten Jahren immer schwerer geworden. Ich war deshalb sehr offen, als ich auf das Angebot von Frau Kleinhenz von der Handwerkskammer Service GmbH aufmerksam geworden bin“, erklärt der Unternehmer.

Willkommenslotsen vermitteln

Erna Kleinhenz ist eine von insgesamt vier Willkommenslotsen der Handwerkskammer für Unterfranken, die sich um die passgenaue Vermittlung von Flüchtlingen in Handwerksbetriebe kümmern. Im Fall von Fachverkäuferin Helen kam der Kontakt über die Berufsschule in Schweinfurt zustande, wo die 27-jährige das insgesamt zweijährige so genannte Berufsintegrationsjahr absolvierte. Neben der deutschen Sprache werden dort auch handwerkliche Fertigkeiten vermittelt. Helen hatte bereits in ihrer Heimat Äthiopien in einem Kiosk Erfahrungen im Verkauf von Lebensmitteln gesammelt und sich gezielt für eine Ausbildung in diesem Bereich interessiert.

In der Ausbildung angekommen

Für Metzgermeister Thomas Hemmerich reichte eine Woche Betriebspraktikum aus, um zu wissen, dass Helen nicht nur die nötigen Fertigkeiten, sondern vor allem auch Interesse und Neugier für den Beruf hat. „So einen motivierten Azubi habe ich schon lange nicht mehr im Team gehabt“, freut er sich. Für seine neue Auszubildende setzt sich der Metzgermeister deshalb auch außerhalb der Arbeit ein, hat ihr unter anderem geholfen, eine Wohnung vor Ort zu finden.

Dass er bei allem Einsatz auch auf bürokratische Hürden stößt, die aus seiner Sicht nicht immer nachvollziehbar sind, nimmt er mit Humor. Zum Start der Ausbildung habe Helen beispielsweise noch einmal die Infektionsschutzunterweisung erhalten müssen, obwohl sie diese bereits in der Schule abgelegt hatte. „Natürlich kostet so etwas zusätzlich Zeit. Aber für Helen lohnt sich der Einsatz“, sagt  Thomas Hemmerich und lacht.

Die unkomplizierte Herangehensweise und offene Art des Metzgermeisters und seines gesamten Teams haben schnell dafür gesorgt, dass die neue Auszubildende sich willkommen fühlt. „Alle sind sehr nett und helfen mir wirklich sehr“, bestätigt  Helen. Auch in der Berufsschule, die sie im Rahmen ihrer Ausbildung besucht, laufe es gut. „Ich habe schon Freundschaften geknüpft“, freut sich die 27-Jährige.



„Helen ist motiviert. Ich merke, dass sie lernen will. Das ist ein absoluter Glücksfall.“

Thomas Hemmerich, Metzgermeister



Surftipp:

Ausführliche Informationen zum Angebot der Willkommenslotsen

Passgenauer Vermittlungserfolg (v. l. ): Auszubildende Helen, Metzgermeister Thomas Hemmerich und Willkommenslotsin Erna Kleinhenz.
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Passgenauer Vermittlungserfolg (v. l. ): Auszubildende Helen, Metzgermeister Thomas Hemmerich und Willkommenslotsin Erna Kleinhenz.

Ansprechpartner für Betriebe

Damit die passgenaue Vermittlung zwischen Betrieb und Flüchtling funktioniert, stehen die Willkommenslotsen jederzeit beratend und unterstützend zur Seite, betont Erna Kleinhenz: „Wir sind regional gut vernetzt und stehen sowohl vor als auch nach der Vermittlung als Ansprechpartner für Unternehmen zur Verfügung.“ Ein Angebot, dass Metzgermeister Thomas Hemmerich geholfen hat, bereits eine Ausbildungsstelle zu besetzen. Wenn es nach ihm geht, soll noch ein Mitarbeiter dazu kommen. Ein Metzger aus Afghanistan hat vor kurzem ein Praktikum bei ihm absolviert. Der Flüchtling wurde ebenfalls durch die Willkommenslotsin und ihr Netzwerk vermittelt und Thomas Hemmerich möchte ihn gern einstellen.