Corona-Pandemie | Bayerisches Handwerk fordert Exit-Strategie
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Mit erheblichem Aufwand haben Handwerksbetriebe bereits im Frühjahr 2020 Hygienekonzepte und Arbeitsschutzstandards entwickelt und umgesetzt. Dass diese greifen, haben sie mit Erfolg bewiesen. Friseure, Kosmetiker, Maßschneider und weitere Betriebe der persönlichen Dienstleister im Handwerk sind zu keiner Zeit als Corona-Hotspots aufgefallen.

Forderung nach Exit-Strategie

Von Schließungen direkt und indirekt betroffene Betriebe brauchen klaren Fahrplan, um sie schnellstmöglich wieder zu öffnen.

Nachdem sich die Konjunkturzahlen im unterfränkischen Handwerk Ende 2020 insgesamt noch weitgehend positiv zeigten, hat sich die Lage nach einem Monat weiterem Lockdown extrem verschärft. Besonders die direkt oder indirekt von Schließungen betroffenen Gewerke der persönlichen Dienstleister, zu denen Friseure, Kosmetiker, Fotografen, Uhrmacher, Maßschneider und viele weitere zählen, aber auch die Gesundheitshandwerke, Kfz-Betriebe und das Nahrungsmittelgewerbe sind hart getroffen. In Unterfranken betrifft das rund 8.100 der insgesamt rund 19.000 Handwerksbetriebe. "Die wirtschaftliche Lage dieser Unternehmen verschlechtert sich mit jedem Tag zusehends. Viele sehen sich gezwungen auf Rücklagen zurückzugreifen, nicht wenige geraten in Existenznot", zeigt sich Walter Heußlein, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken, besorgt. Zu wenige Betriebe haben bislang die angekündigten Hilfsgelder erhalten. Die Antragsstellung gestaltet sich kompliziert und ist mit hohen bürokratischen Hürden verbunden. Viele fallen sogar ganz durch das engmaschig konstruierte Förderraster. "Unsere Betriebe brauchen schnellstmöglich und vor allem unbürokratisch Unterstützung, denn es steht zu befürchten, dass sie sonst die nächsten Wochen nicht überstehen", erklärt Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul.

"Unsere Betriebe brauchen schnellstmöglich und vor allem unbürokratisch Unterstützung."

Walter Heußlein, Präsident der Handwerkskammer für Unterfranken

Exit-Strategie gefordert

Die Handwerkskammer für Unterfranken fordert einen klaren Fahrplan, wie die von angeordneten Schließungen betroffenen Unternehmen wieder hochfahren können. "Wir brauchen eine Exit-Strategie, wie diese Betriebe so schnell wie möglich wieder öffnen können", so Ludwig Paul. Die Unternehmen selbst sind auf eine baldige Öffnung gut vorbereitet und wenden Hygienekonzepte an, die in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Berufsgenossenschaften entwickelt wurden. "Das Handwerk leistet seinen Beitrag zum Infektionsschutz. Das ist ein gesellschaftlicher Kraftakt bei dem wir alle gefordert sind. Doch das Handwerk leistet genauso einen entscheidenden Beitrag zu Stabilität und Funktionieren der Wirtschaft", so Handwerkskammer-Präsident Walter Heußlein. Um Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie die Vielfalt der handwerklichen Produkte und Dienstleistungen auch für die Zukunft erhalten zu können, sei eine Öffnungsperspektive dringend geboten, so Walter Heußlein und Ludwig Paul.

"Wir brauchen eine Exit-Strategie, wie diese Betriebe so schnell wie möglich wieder öffnen können."

Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken