Unterfränkische Unternehmer mit Online-Shops und Apps
Ilona Müller - www.lm-foto.de, Silke Hufnagel, Daniela Hartmann

Handwerk im digitalen Warenkorb

Drei Beispiele aus dem unterfränkischen Handwerk, die zeigen, dass sich Aufwand und Investitionen in digitale Verkaufskanäle lohnen

Online-Shopping oder Bestellung per App übers Smartphone, Lieferung per Post – für Verbraucher ist das bei der Suche nach Produkten ein bequemer und mittlerweile vielfach genutzter Weg. Doch nicht nur Branchenriesen können digital. Auch das Handwerk kann bei digitalen Vertriebswegen mithalten, wie verschiedene Betriebe aus Unterfranken zeigen.



Holz über Onlinehandel

Schreinermeister Tim Schröder ist überzeugt: Wer mehr als nur die Kunden vor Ort oder generell mit ausgefallenen Produkten Kunden erreichen möchte, der kommt um einen Online-Shop und digitale Marketingmaßnahmen nicht herum – auch im Handwerk. Daher war das digitale Vermarktungskonzept bereits Bestandteil seines Business Plans. Vor rund zwei Jahren machte er sich selbstständig und bietet sowohl für private als auch gewerbliche Kunden speziell aufbereitetes Altholz an. Ein Nischenprodukt, wie er selbst sagt. Auch über Ebay und Amazon vertreibt die Firma „Mr. Timber“ mit Sitz in Iphofen ihre Produkte. „Wir sind da präsent, wo der Kunde Produkte sucht“, erklärt der 23-Jährige, der die Webseite und den Online-Shop der Firma größtenteils selbst aufgebaut hat. Mittlerweile wird das junge Unternehmen von einer Agentur unterstützt, die auch gezieltes Online-Marketing umsetzt.

Die über den Onlineshop bestellten Produkte werden in Pakete unterschiedlichster Größe gepackt und dann nach ganz Deutschland, aber auch England, Frankreich oder die Schweiz verschickt. Das größte Risiko seines Geschäftsmodells? „Das war die Anfangsinvestition in die Webseite und den Online-Shop. Das ist kein Posten, den ich irgendwann wieder verkaufen kann“, erklärt Tim Schröder. Der stetig weiter wachsende Kundenkreis bekräftigt jedoch, dass sich diese Investition bisher gelohnt hat. Die Zukunft des Handwerks sieht er als eine Mischung aus Online-Handel und der stationären Dienstleistung vor Ort.

Mr. Timber - Aufbereitung von Altholz
Ilona Müller - www.lm-foto.de

„Wir sind für individuelle Kundenwünsche jederzeit erreichbar“, erklärt Schreinermeister Tim Schröder.



Brot und Brötchen im Paket

Bella Berta - Päckchen für den Online-Versand
Fabienne Werner

Warten auf den Versand: Gepackte Brotpakete im Ladencafé Bella Berta

Das kann sich auch Konditormeisterin Fabienne Werner so vorstellen. Sie ist Inhaberin einer kleinen Bäckerei mit einem Ladencafé in Laufach und hat beschleunigt durch die Corona-Beschränkungen seit März einen Onlineshop. „Innerhalb von zwei Wochen haben wir den Shop gemeinsam mit einer Agentur aus der Region umgesetzt“, erzählt die 35-Jährige, die sich auf glutenfreie Backwaren spezialisiert hat. Dank des Onlineshops mussten Kunden, die sonst beispielsweise aus dem nahen Hessen anreisen, auch in der Phase des Lockdowns nicht auf die speziellen Produkte verzichten. Verschiedene Brotsorten, Brötchen-Pakete, Backmischungen, Cookies und Proteinriegel finden sich mittlerweile im Onlineshop von „Bella Berta“. Die Fotos der Produkte für den Shop fertigt Fabienne Werner selbst an und nutzt diese auch für ihre Präsenz in den sozialen Netzwerken.

Einmal in der Woche backt Fabienne Werner nun speziell für die Online-Besteller. Um Mengen und Ablauf entsprechend planen zu können, beträgt die Vorlaufzeit von Bestellfrist bis Lieferdatum rund zehn Tage. Der Onlineshop selbst braucht nach der einmaligen Einrichtung wenig Pflege – „Das sind nur ein paar Klicks“, erzählt Fabienne Werner. Lediglich das Verpacken für die Produkte sei ein größerer zusätzlicher Aufwand. Und auch der richtige Dienstleister für den Versand musste erst einmal gefunden werden. „Der Onlineshop ist mittlerweile wie ein zweiter Laden. Und es ist eine Einnahmequelle, die ich nicht missen mag“, so die Konditormeisterin.

Konditormeisterin Fabienne Werner
Jutta Matveev

Konditormeisterin Fabienne Werner ist froh über den Online-Shop als neues Standbein, denn eines ihrer Hauptstandbeine, die Tortenbäckerei, ist durch zahlreiche abgesagte Feiern noch immer stark von den Corona-Einschränkungen betroffen.



Steak und Wurst per App

Bei der Metzgerei Siegler aus dem Lohrer Stadtteil Wombach hat Corona die Idee zur Umsetzung einer Bestell-App beschleunigt. Metzgermeisterin und Fleisch-Sommelière Nicole Siegler, die den Betrieb gemeinsam mit ihrer Schwester Melanie führt, hatte zuvor schon einmal selbst versucht mit einem Baukasten-System eine App zu gestalten. Als dann durch die Corona-Auflagen weniger Kunden im Laden bedient werden durften und der eingerichtete Vorbestell- und Lieferdienst per Telefon und E-Mail logistisch gemeistert werden musste, fassten sie den Entschluss und investierten in eine individualisierbare Vorbestell-App. Die App „Metzgerei Siegler“ ist nun seit Juni 2020 im Google Play sowie im App Store verfügbar. In den ersten zwei Monaten hat die Metzgerei bereits 140 registrierte Kunden und verzeichnet weit mehr als 200 Bestellungen über die App.

„Am Telefon bestellen Kunden Standard, in der App finden sie mehr und probieren Neues bei den Bestellungen aus“, so die ersten Erfahrungen von Nicole Siegler. Das Sortiment in der App umfasst weit mehr als 200 Produkte. An drei Tagen in der Woche wird dann im Umkreis von wenigen Kilometern geliefert. Bestellungen über die App können jedoch auch zur gewünschten Abholzeit als fertig gepackte Pakete abgeholt werden. Den wöchentlichen Aufwand schätzt Nicole Siegler – nachdem vor dem Start der App erst einmal alle Produkte eingepflegt werden mussten – nun als überschaubar ein. Nach und nach würden weitere Bilder eingepflegt, einmal pro Woche die aktuellen Angebote verknüpft. „Wir haben schon jetzt Stammbesteller über die App“, lacht die Metzgermeisterin und erzählt von einer Familie, bei der seither der 16-jährige Sohn wöchentlich die Sammelbestellung für seine Eltern und Großeltern über die App mache. Nichtsdestotrotz ist ihre Beobachtung, dass auch die App durchaus von allen Altersklassen genutzt wird.

Metzgermeisterin Nicole Siegler
Daniela Hartmann

„Es spielt sich fast alles auf dem Handy ab, auch wir wollen mit der Zeit gehen“, sagt Metzgermeisterin Nicole Siegler und freut sich über die stetig wachsende Zahl der Nutzer ihrer Vorbestell-App.



Egal ob Metzgerei, Bäckerei oder Schreinerei: Gerade in der aktuellen Situation, in der Menschen vermehrt Zeit zuhause verbringen, ist die Nutzung und Nachfrage nach neuen digitalen Vertriebswegen ein Kundenbedürfnis, das auch das Handwerk erfüllen und davon profitieren kann.