Abstandregeln, feste Personenzahlen und Hygienevorschriften gelten in der Corona-Pandemie auch für Trauerfeiern und Beerdigungen.
Ralf Michal
Abstandregeln, feste Personenzahlen und Hygienevorschriften gelten in der Corona-Pandemie auch für Trauerfeiern und Beerdigungen.

Herausforderungen der Corona-Pandemie

Ein Jahr der Veränderungen

Das Jahr 2020 war auch für das Bestatterhandwerk ein Jahr der Veränderungen. Ein Jahr zudem, das viele Herausforderungen mit sich brachte – das berichtet Ralf Michal, Vorsitzender des  Bestatterverbandes Bayern, in dem rund 80 % der Bestattungsunternehmen im Freistaat organisiert sind. Der Verband sieht seine Unternehmen aufgrund hoher Qualifikation und fachlicher Ausbildung für die Herausforderungen der aktuellen Krise gerüstet, kämpft aber weiter für die Meisterpflicht.

Nicht systemrelevant

März 2020: Als das gesamte Land herunterfährt, Schulen, Kitas und Geschäfte schließen, geht die Arbeit der Bestattungsunternehmen unvermindert weiter. "Auch im Lockdown wurde weiter gestorben", formuliert es Ralf Michal ganz nüchtern. Die Bestatterinnen und Bestatter sind weiter im Einsatz und bekommen die Auswirkungen des pandemiebedingten Ausnahmezustandes unvermittelt zu spüren. "Gerade im ersten Lockdown hat es an Schutzausrüstung gemangelt", berichtet Ralf Michal. Schutzausrüstung, die für die Unternehmen zur täglichen Arbeit gehört – und die dringend gebraucht wird, wenn potentiell infektiöse Verstorbene versorgt werden. Bei der Beschaffung habe man dann nicht daran gedacht, auch die Bestatter mit zu versorgen, bis heute sei der Beruf in Bayern nicht als systemrelevant eingestuft. Die fehlende Anerkennung wird auch an einem weiteren Beispiel deutlich: Bestatter gehörten zunächst  nicht zu jenen Berufsgruppen, die priorisiert gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. "Wir haben uns als Verband deshalb für eine entsprechende Anpassung der Impfverordnung eingesetzt", bekräftigt Ralf Michal. Denn genauso wie medizinisches Personal kämen auch Bestatter mit dem Coronavirus in Kontakt. "Wir sehen eine erhöhte Infektionsgefahr für unsere Beschäftigten. Wenn sich Teile der Branche infizieren, kann das gesamte System kollabieren", erläutert er.

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Ralf Michal

Ralf Michal,
Vorsitzender des Bestatterverbandes Bayern





 Diese Krise hat deutlich gezeigt,
       dass der Bestatterberuf einer
       Qualifikation und Zulassung 
       bedarf. 

         Ralf Michal,
         Vorsitzender des Bestatterverbandes Bayern

Pandemie erschwert Begleitung der Angehörigen

Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Monaten auch die Trauerbegleitung und -bewältigung erschwert. Denn die Maßnahmen zum Infektionsschutz schränken die Arbeit der Bestatter in diesem Bereich stark ein. So sind Hausbesuche derzeit verboten und es dürfen maximal zwei Personen gleichzeitig beraten werden. Die Betriebe müssen sich immer wieder mit neuen Auflagen vertraut machen und die jeweils geltenden Regelungen in sehr kurzer Zeit umsetzen. "Tritt eine neue Infektionsschutzverordnung in Kraft, kommen die Änderungen meist sehr spät, was von unseren Betrieben viel Kommunikation erfordert. Dann kann es vorkommen, dass die Planungen für eine Trauerfeier innerhalb weniger Stunden nochmal geändert werden und die Angehörigen entsprechend informiert werden müssen", beschreibt Ralf Michal.

Kraft schöpfen können er und seine Kollegen aus den Reaktionen der Angehörigen in dieser Situation. "Die große Mehrheit zeigt absolutes Verständnis für die Regeln, das erleichtert unsere Arbeit sehr", sagt er.

Meisterqualifikation gibt Rückenwind

Ralf Michal sieht das Bestatterhandwerk trotz aller Unwägbarkeiten gut aufgestellt – die Basis dafür sei die qualifizierte Ausbildung der Beschäftigten in den im Verband organisierten Betrieben. "Diese Krise hat deutlich gezeigt, dass der Bestatterberuf einer Qualifikation und Zulassung bedarf", ist der Vorsitzende des Bestatterverbandes Bayern überzeugt. Die Qualifikation sei unverzichtbar, um die Angehörigen in dieser herausfordernden Zeit professionell und einfühlsam begleiten zu können. "Wir setzen uns weiter für eine Meisterpflicht im Bestatterhandwerk ein", unterstreicht er deshalb noch einmal deutlich. Denn diese sei zwingend Voraussetzung, um auch in Zukunft mit qualifiziertem Fachpersonal neue Herausforderungen meistern zu können.

Bestatter fordern Meisterpflicht

Mit dem 4. Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung kehrten zum 1.1.2020 zwölf Gewerke in die Meisterpflicht zurück. Auch das Bestatterhandwerk hatte sich zuvor für eine Aufnahme in die Meisterpflicht stark gemacht. Mit der Novelle wurde der Beruf aber lediglich von den handwerksähnlichen ( Anlage B2) in die zulassungsfreien Handwerke aufgenommen ( Anlage B1). Berufsverbände wie der Bestatterverband Bayern fordern weiter die Meisterpflicht für ihren Beruf. Als Gründe nennen sie unter anderem die rechtlichen und sozialen Herausforderungen, die der Bestatterberuf mit sich bringt.

"Eine qualifizierte Ausbildung ist für diese verantwortungsvollen und vielfältigen Aufgaben zwingend Voraussetzung", betont auch Ralf Michal, Vorsitzender des Bestatterverbandes Bayern. Ebenso sei die Meisterpflicht ein wichtiger Schritt hin zu mehr Verbraucherschutz in einem hochsensiblen Bereich.