Susanne Gnamm / handwerkskammer.de

Integration braucht Unterstützung

Duale Berufsausbildung kann einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration junger Geflüchteter leisten. Dafür ist aber Unterstützung notwendig – und zwar vor und während der Ausbildung. Zu dieser Einschätzung gelangt eine breite Mehrheit der rund 660 Berufsbildungsfachleute, die sich am aktuellen Expertenmonitor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur dualen Ausbildung junger Geflüchteter beteiligt haben. Konkret sprechen sich die Expertinnen und Experten vor allem für folgende Unterstützungsmaßnahmen aus:

  • Mit Blick auf den Übergangsprozess in Ausbildung sind aus Expertensicht insbesondere Konzepte geeignet, die Sprachförderung und Berufsorientierung umfassen und miteinander verschränken.
  • Die Berufsorientierung selbst sollte breit und interessenbezogen angelegt sein. Eine Kanalisierung auf bestimmte Berufe etwa auf solche mit Besetzungsproblemen, halten die meisten Expertinnen und Experten für wenig ratsam.
  • Bei der Gestaltung der Ausbildung halten die Berufsbildungsfachleute Unterstützungsformen für sinnvoll, bei denen eine zeitliche Flexibilisierung vorgenommen wird. Hierunter fällt eine bedarfsgerechte Verlängerung der Ausbildungsdauer ebenso wie die Möglichkeit, den betrieblichen Teil der Ausbildung als Teilzeitberufsausbildung anzulegen, um parallel an Sprachförderungsmaßnahmen teilnehmen zu können.
  • Während der Ausbildungszeit sind für junge Geflüchtete ausbildungsbegleitende Hilfen zweckmäßig, die unmittelbar mit Ausbildungsbeginn einsetzen. Aber auch Betriebe sollten nach Auffassung der Expertinnen und Experten Unterstützung erhalten – vor allem durch externe Ansprechpartner, die ihnen in schwierigen Ausbildungssituationen beiseite stehen.

Mit dieser Unterstützung – so die einhellige Meinung der Expertinnen und Experten – leistet die duale Berufsausbildung aber nicht nur einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration junger Geflüchteter. Zwei von drei befragten Fachleuten sind – zumindest teilweise – der Auffassung, dass die für die jungen Geflüchteten entwickelten Ausbildungskonzepte allen benachteiligten jungen Menschen zugutekommen werden. Und dies – so die Expertinnen und Experten – kann insgesamt dazu führen, dass dem System der dualen Berufsausbildung selbst wieder mehr an Wertschätzung entgegen gebracht wird.

Beim BIBB-Expertenmonitor Berufliche Bildung handelt es sich um eine regelmäßige, onlinegestützte Befragung von Berufsbildungsfachleuten zu aktuellen bildungspolitischen Themen. Die aktuelle Befragung „Duale Berufsausbildung junger Geflüchteter“ fand im Zeitraum Mitte Februar bis Mitte März 2017 statt. Die ausführliche Ausgabe des Expertenmonitors steht im Internetangebot des BIBB unter www.bibb.de/expertenmonitor zum Download zur Verfügung. 

 
Die Handwerkskammer für Unterfranken und ihre Tochtergesellschaften haben bereits weit vor Veröffentlichung des Bildungsmonitors ihre Maßnahmen für Geflüchtete und Betriebe zielführend gestaltet und bieten unter anderem breit angelegte Berufsorientierung und umfassende Beratung für Betriebe, z. B. durch die  Willkommenslotsen , an.