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Collage: Handwerkskammer (Fotomaterial Betriebe)

Stolze Ausbildungsbetriebe und glückliche Sieger

Porträts von Siegern im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks auf unterfränkischer Ebene

Insgesamt 57 Kammersieger/innen und ihre Ausbildungsbetriebe freuen sich in diesem Jahr über einen Erfolg im Leistungswettbewerb auf Kammerebene. Beispielhaft stellen wir hier fünf von ihnen vor. Die Ausbildungsberufe spiegeln die Vielfalt des Handwerks wider: Ob Lebensmittel, Bau, Gestaltung oder modernste Technik – in jedem Beruf gibt es einen jungen Menschen, die mit der Ausbildung im Handwerk erfolgreich ins Berufsleben gestartet ist. Die Geschichten zeigen, dass hinter jeder Ausbildung auch ein individueller Weg steht, den Betrieb und Lehrling gemeinsam gehen. Der Erfolg im Leistungswettbewerb unterstreicht zudem die Qualität der handwerklichen Ausbildung, die Unternehmen qualifizierte Fachkräfte sichert und Auszubildenden beste berufliche Chancen bietet.


Intensive Vorbereitung mit dem Profi

Xaver Eck (links), Kammer und Landessieger im Beruf Metzger/in und sein Ausbilder, Metzgermeister Tom Meyer, sind ein eingespieltes Team.
Metzgerei Heigel & Eck
Xaver Eck (links), Kammer und Landessieger im Beruf Metzger/in und sein Ausbilder, Metzgermeister Tom Meyer, sind ein eingespieltes Team.

Wenn ein ehemaliger Bundessieger sich mit seinem Auszubildenden auf einen Berufswettbewerb vorbereitet, bleibt nichts dem Zufall überlassen. So konnte auch Xaver Eck, diesjähriger Kammer- und Landessieger im Beruf "Metzger/in" profitieren: Sein Ausbilder in der Metzgerei Heigel & Eck in Miltenberg, Tom Meyer, belegte 2011 deutschlandweit den 1. Platz im Leistungswettbewerb seines Berufs und kennt sich mit der Wettbewerbssituation aus. In die Vorbereitung auf die Prüfungen haben beide viel Zeit investiert. Dennoch sagt Xaver Eck: "Für mich war es schon eine Überraschung, dass es geklappt hat." Metzgermeister Tom Meyer hatte insgeheim jedoch schon eine gute Platzierung seines Schützlings erhofft. "Wir haben die verschiedenen Aufgaben im Betrieb zuerst zu zweit durchgespielt, offene Fragen geklärt", so die beiden Metzger.

Während der Ausbildung hat Xaver Eck dann auch schon alleine in der vorgeschriebenen Zeit die Prüfung simuliert. Die Leistung von Xaver Eck ist für den Ausbilder eine tolle Bestätigung der Arbeit: "Es macht Spaß, junge Menschen auszubilden und voranzubringen. Gerade in unserem Beruf gilt es, wenn man Lehrlinge hat, diese dann bestmöglich zu fördern, um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken." Aktuell sammelt Xaver Eck weitere Berufserfahrung in verschiedenen Betrieben in ganz Deutschland, jeweils drei bis vier Monate macht er als Angestellter in einem Betrieb Station bevor es weitergeht und im kommenden Jahr dann in Richtung Meisterschule. Sein Ziel: Gemeinsam mit seinem Bruder in einigen Jahren die Metzgerei der Eltern übernehmen.

Handarbeit für Ross und Reiter

Handarbeit für Ross und Reiter (v. l.): Lisa Göb, Kammersiegerin im Beruf Sattlerin mit Schwerpunkt Reitsportsattlerei, und Marco Breitenbach, Ausbilder bei Deuber & Partner in Zeil a. Main.
Deuber & Partner/Kerstin Angermüller
Handarbeit für Ross und Reiter (v. l.): Lisa Göb, Kammersiegerin im Beruf Sattlerin mit Schwerpunkt Reitsportsattlerei, und Marco Breitenbach, Ausbilder bei Deuber & Partner in Zeil a. Main.

Ein guter Sattel muss Pferd und Reiter gerecht werden: Darin liegt die Kunst für Sattlerinnen und Sattler in der Fachrichtung Reitsportsattlerei. Kammersiegerin Lisa Göb stellt sich dieser Herausforderung täglich. Nach dem Fachabitur war ihr Weg ins Handwerk nicht weit. Neun Pferde hält ihre Familie, ihr selbst gehören zwei. Einen Ausbildungsplatz, der Pferdebegeisterung und den Anspruch, handwerklich und kreativ zu arbeiten, verbindet, fand sie bei der Sattlerei Deuber & Partner in Zeil am Main. Seit 27 Jahren fertigt das unterfränkische Unternehmen Sattelmodelle für unterschiedliche Reitweisen und den Verkauf in ganz Europa; jährlich verlassen 5.000 Sättel die Werkstatt, in der Lisa Göb arbeitet.

In ihren Aufgabenbereich fallen Nacharbeiten, Spezialanfertigungen nach Maß, Reparaturen und Qualitätskontrollen. "Nach einiger Zeit nimmt man einen Sattel anders in die Hand. Weil man weiß, wie viel Arbeit darin steckt", sagt die 22-Jährige. Ein hochwertiger Sattel zeichne sich durch saubere Verarbeitung, erstklassige Materialien und eben die Passform aus. "Menschen sind verschieden – Pferde auch", lacht Marco Breitenbach, Ausbilder von Lisa Göb. Wer Sorgfalt, Genauigkeit und ein Händchen für Feinarbeit mitbringt, hat im Betrieb gute Zukunftschancen: "Unser Ziel ist es, junge Leute auszubilden, die bleiben", so der Sattler. Lisa Göb bleibt gerne. Als Gesellin hat sie nun einen größeren Verantwortungsbereich.

Zwei Sieger aus einem Betrieb

Es scheint als hätte sich die M. Reuss GmbH fest auf dem Siegerpodest des Leistungswettbewerbs einquartiert. Denn das auf Modell- und Formenbau spezialisierte Unternehmen stellt regelmäßig  Kammersiegerinnen und -sieger. So auch in diesem Jahr: Mit Modellbauer Laurin Kleinschnitz und Feinwerkmechaniker Moritz Klüpfel haben gleich zwei Auszubildende aus dem Betrieb mit Sitz in Schwarzach a. Main den Kammersieg erreicht. "Ich freue mich immer mit den Lehrlingen, wenn sie erfolgreich sind", bekräftigt Ausbildungsleiter Matthias Lambrecht. Für ihn sind die Erfolge seiner Lehrlinge im Leistungswettbewerb eine Bestätigung für das intensive Engagement des Unternehmens bei der Ausbildung junger Menschen. "Das zeigt mir, dass wir vieles richtig machen", kann er selbstbewusst sagen. Die Firma M. Reuss Formenbau bildet unter anderem im Beruf Technischer Modellbauer in der Fachrichtung Gießerei aus, seit 2017 zudem im Beruf Feinwerkmechaniker in der Fachrichtung Zerspanungstechnik. Wer eine Ausbildung in dem Betrieb beginnen möchte, muss vorher ein Praktikum absolvieren. "Das ist Pflicht", unterstreicht Ausbildungsleiter Matthias Lambrecht, "denn dabei können wir herausfinden, ob der potentielle Lehrling die nötigen Voraussetzungen wie zum Beispiel ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen mitbringt." Das Praktikum muss außerdem noch etwas zeigen, nämlich dass Freude am Beruf vorhanden ist.

Freude am Beruf = Erfolg in der Ausbildung

Die haben Laurin Kleinschnitz und Moritz Klüpfel definitiv. "Mir gefällt die Arbeit mit verschiedenen Materialien wie Holz,  Kunststoff und Metall. Außerdem fordert es mich heraus, dass immer alles auf den Zehntel Millimeter genau sein muss", sagt Laurin Kleinschnitz über seinen Beruf als Technischer Modellbauer. Und für Moritz Klüpfel ist vor allem die moderne Technik, mit der er als Feinwerkmechaniker Tag für Tag umgeht, ein Pluspunkt. Die beiden haben im Leistungswettbewerb bereits die nächste Stufe erklommen. Modellbauer Laurin Kleinschnitz ist 2. Landessieger auf bayerischer Ebene. Sein Kollege Moritz Klüpfel darf sich sogar über den 1. Landessieg und damit über die Qualifikation für den Wettbewerb auf Bundesebene freuen. Beide zeigen: Eine Ausbildung im Handwerk macht erfolgreich. Für Ausbildungsmeister Matthias Lambrecht ist es aber nicht nur das: "Wir bilden aus, weil wir diese jungen Menschen als Fachkräfte brauchen", sagt er. Bei seinen beiden Siegern Laurin Kleinschnitz und Moritz Klüpfel ist das so, denn sie bleiben ihrem Betrieb auch nach der Ausbildung als Gesellen treu, wollen jetzt erstmal Berufserfahrung sammeln und sich später auch weiterbilden.

Laurin Kleinschnitz (links), Sieger im Beruf Technischer Modellbauer, Fachrichtung Gießerei. Foto Mitte: Matthias Lambrecht, Ausbilder bei der M. Reuss GmbH, mit Moritz Klüpfel, Sieger im Beruf Feinwerkmechaniker, Fachrichtung Zerspanungstechnik.
M. Reuss GmbH
Laurin Kleinschnitz (links), Sieger im Beruf Technischer Modellbauer, Fachrichtung Gießerei. Foto Mitte: Matthias Lambrecht, Ausbilder bei der M. Reuss GmbH, mit Moritz Klüpfel, Sieger im Beruf Feinwerkmechaniker, Fachrichtung Zerspanungstechnik.

Ein außerordentlicher Erfolg

Freuen sich über den Erfolg und die weitere Zukunft im Betrieb (v.l.): Florian Herbert, Mohammad Khavari und Betriebsinhaber Martin Herbert.
Isoliertechnik Martin Herbert
Freuen sich über den Erfolg und die weitere Zukunft im Betrieb (v.l.): Florian Herbert, Mohammad Khavari und Betriebsinhaber Martin Herbert.

"Erstmal habe ich es nicht geglaubt", erzählt Mohammad Kazem Khavari noch immer ein bisschen erstaunt über seinen Erfolg beim Leistungswettbewerb in seinem Beruf "Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer". Sowohl auf Kammer- als auch Landesebene erreichte der 21-Jährige den 1. Platz. Ein außerordentlicher Erfolg, denn vor allem die schriftliche Prüfung empfand er als Nicht-Muttersprachler schwierig. 2015 kam der gebürtige Afghane aus dem Iran nach Deutschland und besuchte im darauffolgenden Jahr eine Berufsintegrationsklasse in Münnerstadt. Über die Empfehlung eines Lehrers und ein Praktikum kam er 2017 zu seinem Ausbildungsbetrieb, der Isoliertechnik Martin Herbert, Bad Neustadt/Saale. Den Schulstoff immer wieder zu wiederholen, auch nach der Arbeitszeit, habe von Beginn der Ausbildung für ihn dazugehört, schildert Mohammad Khavari.

Sein Einsatz hat sich gelohnt: Sowohl in der Theorie als auch der Praxis der Gesellenprüfung erreichte er ein gutes Ergebnis und sicherte sich so den Sieg im Wettbewerb. Vor allem das praktische Arbeiten, die Arbeit auf verschiedenen Baustellen ist das, was ihm an seinem Beruf viel Freude bereit. "Besonders das Thema Brandschutz macht mir viel Spaß, hier habe ich schon Routine", so Mohammad Khavari, der in seinem Ausbildungsbetrieb von den Kollegen oft einfach mit dem Spitznamen "Mo" angeredet wird. "Mo ist sehr aufgeschlossen, er war nicht einmal zu spät, nicht einmal krank, weder im Betrieb, der Schule oder ÜLU", erzählt Florian Herbert, der sich im Betrieb um die Formalitäten für den Auszubildenden mit Fluchthintergrund gekümmert hat. Das Ergebnis des Wettbewerbs ist für den Betrieb eine schöne Bestätigung, aber eher zweitranging, wie Florian Herbert erklärt: "In erster Linie geht es um den Menschen. Bei Mohammad hat es einfach gepasst. Von Anfang an war klar, dass wir ihn auch nach der Ausbildung gerne übernehmen möchten." Für die nächste Station, den Bundeswettbewerb, der Anfang November stattfindet, wird nun im Betrieb gemeinsam mit den Ausbildern extra trainiert. Mohammad will auch hier ein gutes Ergebnis abliefern.

Ein Handwerk zum Austoben

"Hier kann ich mich austoben", sagt Renée Kramer aus Rothenbuch über ihren Beruf als Maler- und Lackiererin, und schwärmt noch mehr: „Wenn die Kunden sich über das Ergebnis meiner Arbeit freuen, das ist mit das Beste an meinem Beruf." Es ist eine Begeisterung, die die 18-Jährige in diesem Jahr bis zum Kammersieg im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks geführt hat, und die Renée Kramer von Beginn an mitgebracht hat, erinnert sich auch ihr Chef Christian Orschler. "Sie hat sich wirklich gefreut, als wir ihr die Zusage für die Ausbildung gemacht haben. Das ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, weil es mir gezeigt hat, dass sie bei uns richtig ist", so der Geschäftsführer der Helmut Orschler GmbH aus Hösbach. Das Unternehmen ist im gesamten Rhein-Main-Gebiet auf größeren und kleinen Baustellen unterwegs. Zu den 74 Beschäftigten gehören regelmäßig bis zu neun Auszubildende. Jeder von ihnen bekommt während der Ausbildung die Chance, sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren. "So sehen wir, wo der Lehrling seine Stärken hat und können ihn oder sie gezielt fördern", erklärt Christian Orschler. Auch Renée Kramer durfte in ihrer Ausbildung viele verschiedene Bereiche kennenlernen.

"Ich bekam schnell die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten, das hat mir sehr gefallen", sagt sie im Rückblick. Fördern und Freiraum geben – das dieses Konzept aufgeht, dafür steht auch der Erfolg von Renée Kramer im diesjährigen Leistungswettbewerb auf Kammerebene. Dass es für eine Platzierung ganz vorne reichen könnte, habe er schon fast erwartet, erzählt Ausbilder Christian Orschler. "Renée war eine sehr gute Auszubildende. Wir sind wirklich sehr stolz", sagt er. Stolz ist auch Renée Kramer, die gar nicht mit diesem Erfolg gerechnet hatte. "Für mich war die Ausbildung mit der Gesellenprüfung beendet. Das ich jetzt Kammersiegerin bin, freut mich umso mehr", berichtet die 18-Jährige. Sie sieht diesen Erfolg auch als Rückenwind für ihren weiteren Weg im Berufsleben. Denn ihr Plan steht: "In den nächsten zwei Jahren möchte ich auf die Meisterschule gehen", sagt sie.

Begeisterung für das Malerhandwerk (v. l.): Renée Kramer, Kammersiegerin 2020 im Beruf Maler- und Lackiererin, und Christian Orschler, Geschäftsführer der Helmut Orschler GmbH aus Hösbach.
Helmut Orschler GmbH
Begeisterung für das Malerhandwerk (v. l.): Renée Kramer, Kammersiegerin 2020 im Beruf Maler- und Lackiererin, und Christian Orschler, Geschäftsführer der Helmut Orschler GmbH aus Hösbach.