Uhrmacher sitzen an Werkbänken und arbeiten
Maike Hochstein
Angehende Uhrmachermeisterinnen und Uhrmachermeister im aktuellen Kurs an der Bayerischen Uhrmacherschule: Experten für die Reparatur hochwertiger Uhren.

"Der schönste Beruf der Welt"

In Deutschland gibt es nur noch wenige aktive Uhrmacherschulen – und noch weniger, die auch den Meister anbieten. Daher zieht der alle zwei Jahre stattfindende Meisterkurs Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet nach Würzburg an die Bayerische Uhrmachermeisterschule. Für Till Staiger, Geselle aus Berlin, war auch die Kursdauer ausschlaggebend: "Ich finde es praktisch, dass es sich um einen Vollzeitkurs handelt. Dadurch kann ich den Praxisteil der Meisterausbildung in einem halben Jahr absolvieren – andere Kurse haben oft eine Laufzeit von 16 Monaten."

Michael Eberlein, selbst Uhrmachermeister, ist als Kursleiter verantwortlich für den Meisterkurs in Würzburg. Die Liebe zur Uhrmacherei hat sich bei ihm bereits in Kindertagen entwickelt. Ein Bekannter seiner Eltern war Uhrmacher und die Werkstatt übte von Anfang an eine große Faszination auf ihn aus. Seine Leidenschaft gibt er seit vielen Jahren an den Nachwuchs weiter: "Der Uhrmacherberuf ist für mich nach wie vor der schönste Beruf der Welt. Und weil es mich fasziniert und begeistert, mein Wissen an junge Menschen weiterzugeben, bin ich Dozent geworden."

Qualifizierte Aus- und Weiterbildung

Der Meisterkurs der Uhrmacher ist an der Franz-Oberthür-Schule in Würzburg beheimatet. Hier finden auch die Berufsschule und die überbetriebliche Ausbildung für angehende Uhrmacher statt. Auch Uhrmacher-Geselle Ben Moroff hat hier die Ausbildung absolviert und ist für den Meister zurückgekehrt: "Mehrere Kollegen aus meiner Firma haben hier den Meister gemacht. Über den Kurs habe ich im Vorfeld daher viel Gutes gehört." Was den Kurs auszeichnet: Die thematischen Schwerpunkte lehrt in Würzburg ein Team aus erfahrenen Dozenten, die als Fachleute auf ihrem jeweiligen Gebiet ihr Spezialwissen an die Teilnehmer weitergeben. Der Bau einer Großuhr nach vorgegebenem Plan fungiert als praktischer Einstieg in den Meisterkurs und vermittelt die Grundlagen für die Meisterprüfung, bei der die Teilnehmenden dann selbst eine Großuhr konzipieren und fertigen. Auch zeitgemäße Fertigungstechniken wie die CNC-Bearbeitung stehen auf dem Lehrplan.

Apropos moderne Technik: Lohnt es sich in Zeiten von Smartwatches und Co. überhaupt noch, Uhrmacher zu werden? Auf jeden Fall, sagt Kursleiter Michael Eberlein: Seit etwa 30 Jahren erlebten mechanische Uhren gewissermaßen eine Renaissance und die Kunden seien bereit, viel Geld dafür auszugeben. Wer solche hochpreisigen Uhren reparieren oder überholen lassen wolle, wende sich im Regelfall an einen ausgebildeten Uhrmacher: "Wenn die Uhr bei der Reparatur in alle Einzelteile zerlegt wird, muss ich darauf vertrauen können, dass der Uhrmacher weiß, was er tut, und dass er mit solch hochwertigen Produkten auch wirklich umgehen kann." Für die Zukunft der Uhrmacherei wünscht er sich, dass mehr Meister bereit wären, einen Ausbildungsplatz anzubieten – damit viele junge Leute dieses schöne Handwerk kennenlernen und den Beruf des Uhrmachers ergreifen können.

Impressionen des aktuellen Meisterkurses an der Bayerischen Uhrmachermeisterschule

Uhrmachermeister Nahaufnahme mit Lupe arbeitet an Maschine
Detail Großuhr Uhrwerk
Detail eines Uhrwerks
Uhrmachermeister Nahaufnahme
Uhrmacher an Werkbank liest einen Plan
Detail Uhrwerk