Porträtfoto von Klaus Walther
Daniel Peter
Klaus Walther kennt als langjähriger Wirtschaftsförderer der Stadt Würzburg sowohl die Strukturen der Verwaltung als auch die Anliegen von Unternehmen. Als Ombudsmann möchte er vertraulich, sachlich und lösungsorientiert bei Problemen zwischen Betrieben und Behörden vermitteln. Sein langfristiges Ziel: typische bürokratische Muster erkennen und spürbar abbauen.

"Ich sehe mich als Anlaufstelle für scheinbar unlösbare Fälle"

Überbordende Bürokratie, langwierige Genehmigungsverfahren und praxisferne Entscheidungen sind für viele Handwerksbetriebe mehr als ein Ärgernis. Sie kosten Zeit, Geld und Ressourcen. Hier setzt die Ombudsstelle der Handwerkskammer für Unterfranken an. Als Ombudsmann vermittelt Klaus Walther, langjähriger Wirtschaftsförderer der Stadt Würzburg, zwischen Betrieb und Behörde. Er kennt die Perspektiven von Wirtschaft, Verwaltung und Politik und setzt auf sachliche Moderation, vertrauliche Gespräche und lösungsorientierte Kommunikation. Ziel ist es, im Einzelfall zu helfen – und langfristig wiederkehrende bürokratische Hürden sichtbar zu machen, wie er im Interview erklärt.



 

Sie möchten die Unterstützung der Ombudsstelle für Ihren Betrieb nutzen?

Die Ombudsstelle der Handwerkskammer für Unterfranken können Sie über das Kontaktformular auf der folgenden Seite erreichen:

zur Seite Ombudsstelle mit Kontaktformular

E-Mail: ombudsstelle@hwk-ufr.de

Wie würden Sie Ihre Rolle als Ombudsmann in einfachen Worten erklären?

Klaus Walther: Ich sehe mich als Anlaufstelle für scheinbar unlösbare Fälle. Sachlich vorzugehen, die Fakten auf den Tisch zu bringen und mich mit ganzer Energie dafür einzusetzen, dass Dinge für die Betriebe und die Wirtschaft vorankommen – das ist mir dabei wichtig.



Warum braucht es aus Ihrer Sicht eine solche Vermittlungsstelle zwischen Handwerksbetrieben und Verwaltungen?

Klaus Walther: Ich möchte einen Blick von außen einbringen. Ich komme aus der Verwaltung und habe als langjähriger Wirtschaftsförderer zugleich viel Erfahrung mit den alltäglichen Problemen der Betriebe. Dadurch kann ich vielleicht Aspekte erkennen, die vorher so nicht gesehen wurden. Darüber hinaus möchte ich durch die Fälle, die Betriebe an die Ombudsstelle herantragen, typische Bürokratiemuster erkennen. Wenn wir wissen, wo regelmäßig Hindernisse auftreten, können wir diese Themen gezielter ansprechen und Bürokratieabbau wirksamer voranbringen.

 

An welchen Stellen wäre das denkbar?

Klaus Walther: Häufig auftretende Bürokratiemuster können wir zum Beispiel gegenüber Abgeordneten oder höheren Stellen in der Verwaltung adressieren. Dafür brauchen wir aber zunächst das Wissen darüber, wo die Probleme konkret liegen. Deshalb kann ich Handwerksbetriebe nur ermutigen, sich zu melden.

 

Wie zuversichtlich sind Sie, bürokratische Hürden tatsächlich spürbar abbauen zu können?

Klaus Walther: Wir haben In mehr als 70 Jahren Bundesrepublik wurden sehr viele immer mehr Einzelfälle durch Gesetzen und Verordnungen geregelt und damit für alle zu verbindlichen "Spielregeln" erklärt. Aber oft passt das Gesetz für den nächsten Fall nicht richtig. Dann wird eben eine weitere Regelung geschaffen, letztlich mit dem gleichen Effekt. Dieser Prozess führt zu einer Detailgenauigkeit, dass Bürokratieabbau fast nicht mehr möglich erscheint. Es ist wie bei einem Netz: Zieht man an einer Stelle, hat das Auswirkungen auf viele andere Bereiche, die man vorher kaum erkennen kann. Deshalb tun sich Verwaltung und Politik damit schwer mit dem Bürokratieabbau. Durch die Fälle bei der Ombudsstelle hoffen wir, besser zu erkennen, an welchen Fäden man sinnvoll ziehen kann, ohne gleich alles neu ordnen zu müssen. Ob das gelingt, ist offen. Es ist ein Versuch, aber ich halte es für einen sehr guten Ansatz, für den ich mich gern für die Handwerkskammer einsetze.

 

Bei welchen typischen Problemen können Betriebe Ihre Unterstützung in Anspruch nehmen?

Klaus Walther: Das ist sehr individuell, aber wenn Sie mich nach typischen Bereichen fragen, dann sind es die Bau Genehmigungen jeder Art, ob Bau, Transport, etc. oder auch Themen im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Migrantinnen und Migranten.

 

Wie kann eine Vermittlung in der Praxis aussehen?

Klaus Walther: Die Unternehmsnberater der Handwerkskammer kennen normalerweise den Fall und bereiten die Unterlagen vor. Dann spreche ich mit dem Betrieb und lasse mir die Situation aus Sicht des Betriebes nochmal erklären. Danach kann die Kontaktaufnahme mit der Verwaltung folgen. Eines möchte ich aber betonen: Ich habe noch keinen Fall erlebt, in dem eine Seite ihre Ansicht vollständig durchsetzen konnte. Es geht fast immer um einen Kompromiss – und dafür muss man beide Seiten an einen Tisch bringen. Beide müssen zu Zugeständnissen bereit und für neue Ideen offen sein.

 

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer scheuen sich vielleicht, wegen eines Problems mit einer Behörde Hilfe zu suchen. Was sagen Sie diesen Betrieben?

Klaus Walther: Ganz klar: Jede Kontaktaufnahme mit einer zuständigen Stelle erfolgt nur nach vorheriger Rücksprache mit dem Unternehmen. Gleichzeitig möchte ich deutlich machen, dass sich nicht jedes Problem ohne Reibungen lösen lässt. Betriebe, die sich an die Ombudsstelle wenden, können aber sicher sein, dass wir vertraulich, vorsichtig und sachlich vorgehen.

 

Wenn ein Betrieb unsicher ist, ob sein Anliegen zur Ombudsstelle passt: Was raten Sie?

Klaus Walther: Wenden Sie sich an die Mitarbeitenden der Handwerkskammer. Die Beraterinnen und Berater können einschätzen, ob eine Vermittlung durch die Ombudsstelle im konkreten Fall sinnvoll ist. Jeder Fall wird vertraulich behandelt – und jeder Fall hilft auch dabei, bürokratische Hürden besser zu erkennen.

 

Was wäre aus Ihrer Sicht ein Erfolg für die Ombudsstelle nach den ersten Monaten?

Klaus Walther: Der wichtigste Erfolg wäre, im Einzelfall helfen zu können. Darüber hinaus hoffe ich, Hebel zu erkennen, mit denen wir die Bürokratiebelastung im Alltag spürbar reduzieren können.