Zwei Männer in karierten Hemden blicken auf einen Laptop, der inmitten einer Werkstatt steht
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Social Media im HandwerkLinkedIn als Bühne fürs Handwerk: Was wirklich funktioniert

Für viele Handwerksbetriebe wird es zunehmend wichtiger, sich auch digital sichtbar zu machen, um Fachkräfte zu gewinnen, Kunden zu erreichen und ihr Netzwerk auszubauen. Eine Plattform, die dabei eine immer größere Rolle spielt, ist LinkedIn.

LinkedIn ist das weltweit größte berufliche Netzwerk und wird von Unternehmen, Selbstständigen und Fachkräften genutzt, um Kontakte zu knüpfen, Wissen zu teilen und berufliche Chancen zu entdecken. Doch welche konkreten Möglichkeiten bietet LinkedIn speziell für das Handwerk?

Darüber sprechen wir in diesem Experteninterview mit Barbara Wittmann (LinkedIn Country Managerin Deutschland, Österreich, Schweiz) die Einblicke in die Potenziale der Plattform für Handwerksbetriebe gibt und erklärt, wie diese LinkedIn erfolgreich für sich nutzen können.



Interview mit Barbara Wittmann

Warum lohnt sich eine LinkedIn-Unternehmensseite zusätzlich zur eigenen Website?

Eine Website ist wichtig als zentrale Informationsbasis. Aber: Man muss sie aktiv ansteuern, wissen, wonach man konkret sucht, und kann dort kaum interagieren. Eine Unternehmensseite auf LinkedIn hingegen sorgt dafür, dass Sie ins Gespräch kommen. Man wird im Feed gefunden – über Mitarbeitende, Beiträge, Kommentare oder Empfehlungen. Und vor allem: Hier bauen Sie Beziehungen und Vertrauen auf, gewinnen Fachkräfte, tauschen sich mit anderen aus und treten direkt mit Kunden in Kontakt.

Wen erreicht das Handwerk auf LinkedIn?

LinkedIn ist weltweit das größte Netzwerk für den beruflichen Austausch – branchenübergreifend und längst nicht nur für Menschen in klassischen Bürojobs. Auch das Handwerk ist stark vertreten. Betriebe erreichen hier Partner, Kunden und vor allem potenzielle Mitarbeitende. Besonders spannend: Wir sehen einen starken Zulauf aus der Gen Z. LinkedIn ist auch ein Pool an jungen Talenten, die man für das Handwerk begeistern kann.

Wie kann man auf LinkedIn eine starke Marke aufbauen?

Die Unternehmensseite ist der Anker – Ihre digitale Visitenkarte mit allen wichtigen Informationen und z. B. Stellenanzeigen. Aber: Mindestens genauso wichtig sind die Menschen dahinter. Vor allem die Mitarbeitenden machen Ihre Marke lebendig. Mein Tipp: Holen Sie sich ein kleines Team ins Boot und überlegen Sie gemeinsam, wofür Ihr Betrieb steht und welche Einblicke Sie geben wollen. Dabei gilt: lieber echt als perfekt.

Wie setzt man aktuelle Projekte spannend in Szene?

Ein großer Vorteil von Handwerksbetrieben: Ihre Arbeit ist sichtbar. Nutzen Sie das. Zeigen Sie nicht nur das Ergebnis, sondern den Weg dorthin. Wie entsteht ein Projekt? Wer ist beteiligt? Welche Herausforderungen gab es – und wie wurden sie gelöst? Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden zu Wort kommen und arbeiten Sie mit verschiedenen Formaten, z. B. Bildern, kurzen Videos oder Karussell-Posts. Es geht nicht um Hochglanz – sondern um echte Einblicke. Menschen interessieren sich für Menschen.

Wie präsentiert man sich als moderner Betrieb, wenn man „klassisches Handwerk“ macht?

„Klassisches Handwerk“ liegt im Trend.  Eine LinkedIn Umfrage zeigt: Rund die Hälfte der Gen Z zieht einen Handwerksberuf einem Bürojob vor – insbesondere deswegen, weil Künstliche Intelligenz gerade Bürojobs stark verändern wird. In vielen Fällen sind entsprechende Berufe und Arbeitgeber aber zu wenig sichtbar. Wie genau sieht der Berufsalltag aus? Wie werden Auszubildende in ihrer Entwicklung gefördert? Welche Arbeitskultur wird gelebt? Mein Tipp: Zeigen Sie ganz konkret, wie man bei Ihnen einsteigt und sich weiterentwickeln kann. Gerade als Handwerksbetrieb haben Sie aktuell hervorragende Chancen, im Wettbewerb um Talente entscheidend zu punkten.

Wie lassen sich Mitarbeitende sinnvoll auf LinkedIn einbinden?

Profile von Mitarbeitenden bringen oft mehr Reichweite als die Unternehmensseite – weil Menschen mit Menschen interagieren, nicht mit Logos. Gerade kleine Teams profitieren enorm davon, wenn Leute aus dem Team Einblicke geben und Geschichten teilen. Dabei gilt: Leitplanken ja, Kontrolle nein. Mitarbeitende, die für und über ihren Betrieb posten, brauchen die Freiheit, auf LinkedIn ihre eigene Stimme zu finden. Nur so entsteht Authentizität.

Wie spreche ich Personen an, die nicht aktiv auf Jobsuche sind?

Entscheidend ist die gezielte und persönliche Ansprache: Wenn jemand merkt, dass Sie sich mit dem Profil auseinandergesetzt haben und verstehen, was er oder sie einbringt, wirkt das deutlich stärker als eine standardisierte Nachricht, die wahllos an viele Talente verschickt wird. Oft kommt die Frage nach einem informellen Austausch bei einem Kaffee auch direkt gut an.

Kann man über LinkedIn neue Kunden gewinnen?

Ja – absolut. Einerseits organisch über die Sichtbarkeit, die Sie sich mit relevanten Inhalten und Aktivitäten aufbauen. Andererseits durch gezieltes Marketing, mit dem Sie passende Zielgruppen direkt erreichen. Für kleine Betriebe bieten wir dafür zum Beispiel Lösungen wie Premium All in One, die Vertrieb, Marketing und Recruiting in einem Tool bündeln.

Wie kann man LinkedIn nutzen, um Kontakte zu knüpfen?

Vernetzen Sie sich mit Partnern, Innungen und interessanten Kontakten aus Ihrer Region. Und treten Sie in den Dialog. Also nicht nur posten, sondern auch kommentieren, teilen und reagieren. Genau dieses Zusammenspiel macht Sie auf LinkedIn sichtbar – und vor allem glaubwürdig.



Praktische Umsetzung

Was sind die absoluten Basics, die meine Unternehmensseite erfüllen sollte?

Vollständige Unternehmensseiten erhalten pro Woche 30 Prozent mehr Aufrufe. Die folgenden Angaben sollten deshalb nicht fehlen: Logo und Titelbild, eine kurze Beschreibung des Unternehmens, Internetadresse und Standort sowie der CTA-Button, mit dem z.B. auf die Website verlinkt werden kann.

Was sind die größten Fehler, die Unternehmen auf LinkedIn machen?

Nur zu senden, statt auch zu interagieren. Aus Perfektionsanspruch zu wenig oder gar nichts zu posten. Und: Das Team nicht einzubeziehen.

Wie viel Zeit und Ressourcen muss man realistischerweise investieren?

Am Anfang gilt es, sich Zeit zu nehmen und zu überlegen: Was macht unseren Betrieb aus? Welche Themen und Formate passen zu uns? Wenn der Rahmen steht, reichen oft ein bis zwei Stunden pro Woche aus.



Welche Content-Formate funktionieren gut?

Wichtig ist, auszuprobieren, was zu Ihrer Community passt – und welches Format bzw. welches Thema am besten ankommt. Einblicke aus dem Arbeitsalltag funktionieren oft gut als Video, Learnings von z.B. Veranstaltungen eher als strukturierte Slideshow. Testen Sie verschiedene Formate und beobachten Sie, worauf Ihre Zielgruppe reagiert.

Wie kann man Inhalte vorbereiten, ohne jede Woche erneut grübeln zu müssen?

Die Erstellung eines Redaktionsplanes mit wiederkehrenden Themen (zum Beispiel “Auftrag der Woche”, “1 Arbeitstag mit Mitarbeiter x”) ist ein guter Ansatz. Natürlich kann man spontane Posts immer noch zusätzlich machen. Authentische und spannende Inhalte kommen am besten an.

Kurzvita

Als Country Managerin ist Barbara Wittmann für das Gesamtgeschäft von LinkedIn in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich.

Außerdem leitet sie den Geschäftsbereich LinkedIn Talent Solutions im deutschsprachigen Raum und kümmert sich zusammen mit ihrem Team um B2B-Lösungen in den Bereichen Recruiting, Employer Branding, Weiterbildung und Mitarbeiterengagement.

Frau mit dunklen, schulterlangen Haaren und einem blauen Oberteil sitzt an einem Tisch und lächelt in die Kamera
Lisa Hantke